Paulus hat im Kapitel 12, 31 die Korinther aufgefordert, nach den besonders wertvollen Geistesgaben zu streben. An diese Aufforderung hätte er ohne weiteres die Darlegungen von Kapitel 14 anschliessen können. In ihnen spricht er ja vom Wert der Geistesgaben und zeigt, warum das „Weissagen“ wertvoller und wichtiger ist als das „Beten in Zungen“. Aber jetzt unterbricht er seinen Gedankengang, um seinen Korinthern Entscheidendes zu sagen. „Und einen Weg noch weit darüber hinaus zeige ich euch.“
Paulus zeigt jetzt den Korinthern, woraus das Christentum in seinem Wesen besteht und warum es ein so unerhörter, alles überragender Weg ist.
Wir wollen uns ja mit dem „Hohen Lied der Liebe befassen“ wie das 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes genannt wird. Aber dieses Kapitel ist alles andere als ein lyrischer Erguss! Mit einem „Lied“ hat dieses Kapitel nichts zu tun. Es ist ein ernster Unterricht den Paulus da seinen Korinthern vermittelt. Er trifft dabei genau die Nöte in welchen die Korinther damals standen. Eigentlich ist dieser Text ein mächtiges Gerichtswort und ein Aufruf über die zentrale Bedeutung der Liebe.
Paulus schreibt sehr viel von der „Liebe“. Sie ist wirklich sein zentrales Wort. Aber Paulus ging sehr vorsichtig mit diesem Wort um. Denn er war sich sicher bewusst, dass das Wort Liebe zu grossen Missverständnissen führen kann. Seine Vorsicht erkennen wir dadurch, dass Paulus im Römerbrief zuerst ganze Kapitel der Thematik „Gerechtigkeit Gottes“ widmet, ehe er im Kapitel 5 und im Kapitel 8, 35-39 die Liebe Gottes vor die Gemeinde hinstellt. Und jetzt im Kapitel 13 stellt Paulus diese Liebe in die Mitte, nun jedoch mit einer unvergleichlichen Kraft und Entschiedenheit. Wie wir im ganzen Neuen Testament lesen können, wählte auch Paulus für „Liebe“ das Wort „Agape“, das in der damaligen Welt so gut wie gar nicht gebraucht wurde. Dort kannte man „Eros“, die verlangende Liebe. Mit „Agape“ dagegen bezeichnete die erste Christenheit das Wunderbare, das sie von Gott her in Christus erfahren hatte: Nämlich eine Liebe, die nichts für sich will, sondern alles hingibt und opfert. Das Zielpublikum dieser Hingabe sind: Die Unwerten, die Schuldigen, die Feinde, alle jene also, die menschlich gesehen diese Liebe überhaupt nicht verdient haben. Diese „Agape“ Liebe ist darum zuerst und in ihrem Ursprung die Liebe Gottes (2. Korinther 13/13 und 1. Johannes 4/16 und die Liebe des Christus (2. Korinther 5/14 und Galater 2/20 und die Liebe des Geistes (Römer 15/30). Diese Liebe ist keine menschliche Möglichkeit, keine „höchste Tugend“. Sie ist erst recht nicht das, was wir für gewöhnlich unter „Liebe“, auch unter „christlicher Liebe „, verstehen. Ein Stück Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bringt die Welt auch sehr gut ohne uns Christen zustande. Die übliche christliche Liebe wäre wahrlich noch „kein Weg, weit darüber hinaus“. Sie ist noch nicht das „Sonderliche“, von dem Jesus im Matthäus 5/ 43-48 sprach. Die Agapeliebe kann uns nur in Christus durch den Heiligen Geist zuteil werden. (Römer 5/5b), als eine radikal neue, der alten „Ich-Natur“ entgegengesetzten Wirklichkeit. Paulus spricht nun davon, indem er diese Liebe mit dem Höchsten und Grössten vergleicht, was der Christ sonst noch haben mag. Paulus wählt aber zuerst die in Korinth am meisten geschätzte Geistesgabe, die Zungenrede.
Vers 1: Wenn ich mit den Zungen der Menschen rede und denen der Engel, Liebe aber nicht habe, bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine gellende Zymbel.
Dieser Vers geht genau auf die Lage der Gemeinde in Korinth ein, wo man die Gabe der Zungenrede über alle anderen stellte. Paulus redet so, dass man erkennt worauf er hinaus will: In Korinth gab es offensichtlich Leute, die die Gabe der Zungen in reichem Masse hatten, dabei fehlte ihnen aber die Liebe. Die Männer in Korinth, die das Zungenreden erstrebten, meinten, dadurch etwas geworden zu sein. Paulus sagt ihnen: Geworden seid ihr „ ein tönendes Erz oder eine gellende Zymbel“, wenn ihr keine Agape habt. Paulus entwertet damit nicht die Gabe der „Zunge“ als solche. Er sprach ja selber viel in Zungen. Aber ohne die Liebe sind Zungenredner nur laut lärmende Instrumente, die nicht viel nützen! Aber Paulus führt nicht etwa einseitig einen Angriff nur auf die Zungenrede. Er wendet sich sofort den andern, den „grösseren“ Geistesgaben zu: „Prophetengabe, Erkenntnis, Glaube. Er nimmt wieder an, Gemeindeglieder hätten diese Gaben in höchstem Masse, aber auch jetzt kann es sein, dass diesen Gemeindegliedern aber die Liebe fehlt. Gerade in Korinth sah Paulus dies in grossem Ausmass! Wie wir im Kapitel 15 Vers 7 lesen, war diese Gemeinde sehr reich an Geistesgaben, aber anscheinend sehr arm an Liebe! Was aber wird aus Menschen mit wertvollen Geistesgaben, wenn die Liebe fehlt? Ist es ein erheblicher Mangel? Ist es ein Schönheitsfehler? Das Gerichtswort des Apostels ist viel deutlicher: „Und wenn ich Prophetengabe habe und weiss die Geheimnisse alle und alle Erkenntnis und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetzte, Liebe aber nicht habe, bin ich nichts.“ Wir dürfen hier nicht meinen, dass diese Gaben in den Augen des Apostels nichts wert sind, sonst würde er die Gemeinde im 14. Kapitel Vers 1 nicht auffordern, sich eifrig um Geistswirkungen zu kümmern. Nicht die grossen und herrlichen Geistesgaben sind nichts! Aber ich bin nichts, wenn ich nur sie, aber nicht die Liebe habe. Wir sehen hier den einzigartigen Wert dieser Agapeliebe. Wir können noch so erfolgreich, noch so gebildet, noch so berühmt, noch so geachtet und bewundert sein, wenn uns die Liebe fehlt, sind wir nichts!
„Und wenn ich austeile alle meine Habe und wenn ich ausliefere meinen Leib, dass ich verbrannt werde, Liebe aber nicht habe, so nützt es mir nichts.“ (Vers 3)
Paulus schildert den Märtyrertod in seiner grausamsten Form, den Tod auf dem Scheiterhaufen, der damals praktisch kaum vorkam. Aber sogar das „Verbranntwerden“ muss nicht unbedingt aus Liebe geschehen! Wie viele egozentrische Gedanken haben tatsächlich hinter manchem Drang zum Märtyrium gestanden?! Dann mag ich von Menschen und von der Gemeinde gefeiert werden, aber „so nützt es mir nichts“. Paulus stellt sich anscheinend vor, dass ein Gemeindeglied nicht nur in üblicher Weise manchem Notleidenden hilft, sondern wenn notwendig, alles was zur Linderung und zur Verbesserung der Lage dient, hin gibt. Ist das nicht ein unfassbar ein grosses Werk? Das mag sein. Es mag auch für viele eine wertvolle Hilfe bedeuten. Was bedeutet es aber für mich, wenn ich das tue oder täte? Wenn ich es nicht aus dieser wirklichen „Agape“, aus der selbstlosen schenkenden Liebe heraus tue, „so nützt es mir nichts“. Paulus weiss, dass alles „Tun“ als solches, auch das äusserlich ganz grosse und bewundernswerte, noch nicht zeigt, aus welchen Beweggründen es hervorgeht. Wie viel “Ich“ kann hinter scheinbarer Aufopferung stehen! Welch ein Gericht sind diese ersten 3 Verse über das reiche, stolze Gemeindeleben in Korinth. Die ganze Kirchengeschichte wäre anders verlaufen, wenn die Liebe das Zentrale geblieben wäre. Viele Gemeinden wären nicht gespalten worden, wenn die Liebe das Zentrale geblieben wäre, viele Gemeinden hätten ein grosses Wachstum erhalten, wenn die Liebe untereinander das Zentrale geblieben wäre. Viele Beziehungen, Ehen, Freundschaften wären noch intakt, wenn die wahre Agapeliebe herrschen könnte. Von Natur aus werden wir Menschen im Verhältnis zu unseren Mitmenschen von unseren rasch wechselnden Zuneigungen und Abneigungen bestimmt. Schnell sind wir mit Menschen „fertig“. Schnell ist unsere Geduld erschöpft. Die echte Liebe aber „ist langmütig“. Sie hat einen langen Atem! Sie ist auch „gütig“. Sie lebt nicht vom anderen her, das heisst, sie kann nicht nur lieben, wenn es die Umstände zulassen, sondern sie schöpft fortlaufend Liebe aus dem Leben Jesus heraus. Er hat die Fülle und wir dürfen schöpfen. Hier dürfen wir sogar mit der grossen „Kelle“ anrichten! Diese echte Liebe entzündet sich nicht an den liebenswerten Eigenschaften des Mitmenschen, sondern sie versucht den andern auch dann zu verstehen und sucht die wahre Liebe, auch wenn es menschlich gesehen nicht viel zu lieben gibt. Und nun müssen es gerade die Korinther hören, mit ihrer bitteren Eifersucht untereinander, ihrem Grosstun, ihrer Aufgeblasenheit: „Die Liebe ist nicht eifersüchtig, die Liebe prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf“. Lernen die Korinther diese wirkliche, echte Agapaliebe, dann werden sie frei von diesen Verkehrtheiten, die ihr Gemeindeleben verderben. Die Eifersucht ist eine Leidenschaft die mit Eifer sucht was Leiden schaft. Die Eifersucht hat keinen Platz in einem Herzen wo die Agapeliebe regiert. Das Prahlen und das Aufblasen sind Eigenschaften, welche die echte Liebe nicht zulässt. Denn diese Eigenschaften haben den Zweck, den Menschen, der das ausführt, in den Vordergrund zu stellen und das ist das Gegenteil der echten Liebe. Das nächste Wort welches wir betrachten wollen finden wir auch in diesem 5. Vers. Die Liebe ist nicht taktlos. Wörtlich heisst das: „Die Liebe benimmt sich nicht unanständig.“ Aber das muss doch nicht erklärt werden, oder ausgesprochen werden. Eventuell dachte Paulus dabei an die Trunkenen beim Herrenmahl. Wichtig aber ist doch, gerade auch im christlichen Raum, „die Liebe ist nicht taktlos“. Die Liebe behandelt den Mitmenschen mit einer gewissen direkten Ehrlichkeit, aber sie ist nicht verletzend. Die Liebe unternimmt viel, damit es dem anderen wohl ist in meiner Gegenwart, in meiner Wohnung. Die Liebe verzichtet auch auf Gewohnheiten, die den anderen abstossen oder vertreiben. Die Liebe „sucht nicht das ihre“, das hat Paulus auch seinen geliebten Philippern ernstlich einschärfen müssen. Wie viel mehr musste er es den Korinthern mitteilen. Wie schnell suchen wir das, was uns persönlich einen Vorteil bringt. Die echte Liebe sucht aber nicht in erster Linie den eigenen Vorteil, sondern das Wohlergehen des anderen. Diese Liebe „lässt sich nicht aufreizen“, nicht erregen. Und doch haben wir daran zu denken, dass Lukas mit dem gleichen Wort „erregt werden“ den inneren Zustand des Paulus beschreibt, als Paulus in Athen die vielen Tempel und Götzenbilder sah: Es ergrimmte sein Geist in ihm (Apg. 17/16). Lukas hat den Apostel gewiss damit nicht kritisieren wollen und als lieblos abstempeln. Nein, gerade von der wirklichen Liebe gilt beides zugleich: Sie lässt sich nicht erregen, und gleichzeitig kann sie auch tief erregt werden. Sie kann das Elend und die Irrwege der Menschen nicht ohne tiefe Erregung mit ansehen. Den Korinthern aber mit ihren offensichtlichen Neigungen zum erregten Streiten und scharfen Urteilen muss gesagt werden: Wenn ihr liebt, dann würde diese ungute „Erregung“ bei euch verschwinden. Von dem folgenden Satz wissen wir nicht genau, wie Paulus ihn verstanden haben will. Er ist ein Zitat aus dem Buch Sacharja 8/17 und spricht dort eindeutig vom „Sinnen auf Böses“. So entspräche der Satz der Feststellung von Römer 13/10; „die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses“, nur dass Paulus hier auf den inneren Vorgang achtete, der allem „Tun“ des Bösen vorangeht: „Die Liebe sinnt nicht auf Böses“. Wie besteht die Gefahr, dass wir dieses verborgene Sinnen auf Böses in uns zulassen. Wie nötig ist die frohe Botschaft, dass die echte Liebe davon frei macht! Vielleicht hat Paulus aber nur die Worte aus Sacharja 8/17 genommen und ihnen dann den ganz anderen Sinn gegeben: „Sie stellt das Böse nicht in Rechnung“. Das kann die Agapeliebe: Das Böse das ihr angetan wird wohl sehen und empfinden, aber es dann doch einfach nicht in Rechnung stellen, sondern es als gar nicht geschehen behandeln. Wenn eine solche Liebe in unseren Gemeinden herrschen könnte, gäbe es keine Verletzten mehr, keine Verwundeten mehr, die durch Worte und Taten zu dem geworden sind, was sie sind.
Die wahre Liebe ist nicht einfach nur ein Stück Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Diese Liebe kann uns nur in Christus durch den Heiligen Geist geschenkt werden (Römer 5/5b)
Wenn wir bedenken, dass die Heiligung vor allem Liebe ist, können wir auch sagen: „Jaget nach der Liebe“, denn ohne Liebe ist nichts, es wird uns nichts angerechnet beim Gericht der Frommen. Wir können noch so lieb gewesen sein vor den Menschen, wenn es nicht echt war, wird es uns nicht angerechnet und es ist wie ein tönendes Erz oder eine gellende Zimbel.
Wir wollen nach dieser Liebe jagen. Das heisst: „Wir wollen uns danach ausstrecken, dass wir täglich mit dieser Jesuliebe durchtränkt und durchflutet werden. Wir können diese Liebe nicht produzieren, – aber wir können sie uns schenken lassen. „Herr Jesus schenke mir deine Liebe, dass ich wirklich lieben kann!!!“ Dies kann täglich zu einer Glaubenserfahrung werden! Und wenn wir gefehlt haben dürfen wir Busse tun und neu anfangen! Vielleicht braucht es manchmal auch eine Entschuldigung oder ein Bekenntnis. Jesus will uns aber diese befreiende und heilende Liebe (seine Liebe) schenken!
Broschüre von Beat Schulthess

Das 1×1 der Häuserbefreiung
Was soll man tun, wenn es daheim spukt?
Beat Schulthess
ISBN 978-3-907104-26-2
CHF 4.90 / EUR 1.90
Die Opfer werden den Eindruck nicht los, dass sie «ein Fall für die psychiatrische Klinik» sind. Dennoch gibt es eine Möglichkeit, von diesen Phänomenen loszukommen.
Mehr Infos zu dieser Broschüre und Bestellmöglichkeit 

Kaum jemand getraut sich im aufgeklärten 21. Jahrhundert noch jemandem mitzuteilen, wenn es bei ihm zu Hause spukt. Die Opfer werden den Eindruck nicht los, dass sie «ein Fall für die psychiatrische Klinik» sind. Und trotzdem: es gibt eine Möglichkeit, um von diesen unangenehmen Phänomenen loszukommen.
Zahlreiche praktische Beispiele sowie ein flüssiger Schreibstil machen die hier vorliegende Broschüre zu einer leicht verständlichen Abhandlung für jedermann. Mit seinem 1×1 der Häuserbefreiung stösst Beat Schulthess in ein Gebiet vor, welchem bisweilen innerhalb der Lebensberatung zu wenig Beachtung geschenkt wurde.
Über den Autor:
Beat Schulthess übt in einer Freikirche im Zürcher Oberland hauptberuflich eine pastorale Aufgabe aus. Er ist verheiratet, Vater von vier Kindern und wirkt seit rund zwanzig Jahren in einem seelsorgerischen Dienst.