Archiv für Mai 2006

Das wahre Sakrileg – Alexander Schick

Freitag, 05. Mai 2006

 

 

«Leonardo Da Vinci wusste nichts davon!»

 

 

 
Leonardo Da Vinci
 
Leonardo Da Vinci.

Der Kunsthistoriker Prof. Frank Zöllner äussert sich zu Dan Browns Interpretationen von Werken Leonardo Da Vincis. Brown will auf dem bekannten Gemälde „Das letzte Abendmahl“ zur Rechten Jesu eine Frau erkennen. Doch diese Person sei Johannes, dargestellt nach dem damals üblichen Typus, erklärt Zöllner. Es wäre für einen Künstler im 15. Jahrhundert „undenkbar gewesen, in einem Abendmahl eine Magdalena darzustellen“.

Da Vinci-Experte Frank Zöllner äussert sich in einem Interview in der Zeitschrift „Factum“ dazu, welches Alexander Schick mit ihm über Dan Browns Bild-Interpretationen geführt hat.

Alexander Schick: Mona Lisas geheimnisvolles Lächeln wird von Dan Brown als «kleinen Scherz für Kenner» interpretiert und er schreibt dazu unter anderem: «Das Männliche und das Weibliche haben traditionsgemäss bestimmte Seiten – links für weiblich und rechts für männlich. Als grosser Verehrer des Weiblichen hat Leonardo die Mona Lisa so gemalt, dass sie von links majestätischer erscheint als von rechts.» – Hat sich Leonardo tatsächlich einen Scherz erlaubt?
Frank Zöllner: Leonardo war ein Mysogonist, also jemand, der Frauen eher verachtet als verehrt. Die Ansicht, dass es eine männliche und weibliche Seite geben könnte, war ihm sicher nicht geläufig.

 
Mona Lisa.
 
Mona Lisa.

Brown schreibt weiter: «Nicht nur das Gesicht der Mona Lisa trägt androgyne Züge, auch ihr Name ist ein Anagramm auf die göttliche Vereinigung des Männlichen mit dem Weiblichen.» Lässt sich das Lächeln der Mona Lisa mit esoterischer Philosophie erklären?
Wenn man auf den Busen der Mona Lisa schaut, kann man wirklich nicht glauben, dass Mona Lisa androgyn sein solle. Das Gesicht ist es auch nicht.

Eine Schlüsselstellung in Browns Roman nimmt Leonardos Fresko, das «Letzte Abendmahl», ein. Brown behauptet, dass zur Rechten Jesu nicht der Jünger Johannes, sondern eine Frau sitze, und zwar Maria Magdalena. Stimmt das?
Die Darstellung des Johannes folgt dem damals üblichen Typus, an Leonardos Darstellung ist in dieser Hinsicht nichts ungewöhnlich. Ausserdem wäre es für einen Künstler des 15. Jahrhunderts völlig undenkbar gewesen, in einem Abendmahl eine Magdalena darzustellen!

Brown schreibt weiter, Jesus und die Person zu seiner Rechten würden eine «eindeutige V-Form im Brennpunkt des Gemäldes» ergeben. Für Brown ein verstecktes Zeichen für den Gral, für den weiblichen Schoss.
Eine V-Form finden Sie noch heute auf zahlreichen Verkehrsschildern, sie haben also jede Bedeutung, die man ihnen gibt. Leonardo wusste mit Sicherheit von keinem Gral in VForm. Eine dreieckige Lücke in einem Bild hat nicht zwangsläufig irgendeine Bedeutung. Es gibt Tausende solcher Lücken in Gemälden.

Was sagen Sie dann zur These, dass die Personen um Jesus herum einen weiteren Buchstaben ergeben, und zwar ein «M», das für „Matrimonium“ (Heirat) oder Maria Magdalena stehen könnte?
Der Buchstabe «M», den ich dort nun wirklich nicht sehe, kann genauso gut für Marshmallows stehen, eine bei Kindern beliebte süsse Kaumasse, die Leonardo ebenso wenig kannte wie ein «Matrimonium» der Magdalena.

 
Letztes Abendmahl
 
Da Vinci-Bilde vom „Letzten Abendmahl“.

Gemäss Brown ist der Jünger Petrus eifersüchtig auf Maria gewesen. Dies widerspiegle sich im Fresko. Man soll eine Hand bei der Person zur Rechten Jesu sehen «mit einer drohenden Geste, als wolle er ihr die Kehle durchschneiden».
Die Drohgebärde des Petrus gilt natürlich dem Verräter Judas, denn es geht in dem Gemälde ja um die Verratsankündigung.

Eine weitere Brown-Behauptung: In der Apostelgruppe um Petrus rage eine Hand über die Tischkante, die ein Messer halte, das niemandem zu gehören scheine. Sie sei «ohne Körper, anonym».
Es ist die Hand des Petrus, wie man auf frühen Kopien des Bildes noch gut erkennen kann.

Für Bestseller-Autor Brown ist seine Interpretation des Da Vinci-Bildes vom «Letzten Abendmahl» allerdings eine «erdrückende Last von unglaublichen Informationen».
Das ist völliger Unsinn!

Zur Person
Professor Dr. Frank Zöllner lehrt Kunstgeschichte an der Universität Leipzig und gilt als Da Vinci-Experte. Er verfasste ein Buch über ihn – «Leonardo da Vinci. Sämtliche Gemälde und Zeichnungen».

Webseite: www.factum-magazin.ch
Ein Interview mit mehr Fakten dazu auf: www.sakrileg-betrug.de/leonardodavinci/

 
Das wahre Sakrileg
 

Das ausführliche Interview „Mona Lisa lächelt” mit Universitätsprofessor Frank Zöllner finden Sie in: Alexander Schick, „Das wahre Sakrileg. Die verborgenen Hintergründe des Da-Vinci-Codes – Das Geheimnis hinter Dan Browns Weltbestseller”, Knaur 2006, S. 34-44, ISBN 3426779552.

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Autor:  Alexander Schick
Quelle: factum Magazin
Datum: 05.05.2006

 

 
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